Kondolenzschreiben von Metropolit Arsenios - In Österreich gibt es rund 1.000 Gläubige der Georgisch-orthodoxen Kirche - Gemeinde feiert ihre Gottesdienste in der Brigittakapelle im 20. Bezirk in Wien
Wien, 20.03.2026 (KAP) Metropolit Arsenios (Kardamakis) hat den am Dienstag verstorbenen Patriarchen der Georgisch-orthodoxen Kirche, Ilia II., als herausragende kirchliche Persönlichkeit gewürdigt. In einem auf der Website der Metropolis von Austria veröffentlichten Kondolenzschreiben weist der Metropolit auf die vielen Verdienste des Patriarchen hin, der die Orthodoxe Kirche durch die Sowjetzeiten und danach beim Übergang zur staatlichen Unabhängigkeit Georgiens bis in die Gegenwart hinein geführt hat.
Der Patriarch habe "das Mysterium des Lebens in Christus in Fülle gelebt und sich als wahrer Diener der heiligen Mysterien sowie als unermüdlicher Hüter der heiligen Überlieferung erwiesen". Sein langjähriger Dienst als Kirchenoberhaupt sei geprägt gewesen "von einem kreuz- und auferstehungsgeprägten Ethos, in dem sich Demut mit geistlicher Tapferkeit und Liebe mit Wahrheit verband". Inmitten historischer Umbrüche und Prüfungen sei der Patriarch eine "unerschütterliche Säule" gewesen und habe das Volk Gottes "zur kirchlichen Selbstvergewisserung und zur Erfahrung der lebendigen Gnade" geführt. Ilia II. sei für eine Seelsorge gestanden, "die sich nicht in administrativen Strukturen erschöpft, sondern auf die Heilung der menschlichen Person und ihren Weg zur Vergöttlichung ausgerichtet ist".
Sein aufrichtiges Mitgefühl, so Metropolit Arsenios, gelte allen Gläubigen der Georgisch-orthodoxen Kirche, die auch in Österreich Strukturen bzw. eine Gemeinde hat und der Orthodoxen Bischofskonferenz angehört.
In Österreich ist die Georgisch-orthodoxe Kirche vor allem in Wien präsent. Sie hat ihren Sitz in der Kirche zum Heiligen König David dem Erneuerer (Brigittakapelle) im 20. Wiener Gemeindebezirk, wo Pfarrer Ilia Chaduneli mit den Gläubigen die Gottesdienste feiert. Von Zeit zu Zeit gibt es auch Gottesdienste in anderen Landeshauptstädten, wo die wenigen georgischen Gläubigen meist zu Gast in anderen orthodoxen Kirchen sind. Genaue Angaben zur Zahl der georgischen Gläubigen gibt es nicht. Schätzungen gehen von rund 1.000 Gemeindemitgliedern aus.
Patriarch Ilia II., Oberhaupt der Georgischen Orthodoxen Kirche, ist am Dienstag nach langer schwerer Krankheit mit 93 Jahren verstorben. Mehr als die Hälfte seines Lebens hat Ilia II. als Kirchenoberhaupt verbracht. Er übernahm die Leitung der Kirche 1977 noch zu Sowjetzeiten. Als der Patriarch sein Amt antrat, gab es in Georgien lediglich 15 Diözesen und aufgrund der kommunistischen Verfolgungen nur noch 30 aktive Kirchen. Heute gibt es 47 Diözesen und circa 2.000 Kirchengemeinden sowie etwa 3.000 Geistliche. Ilia II. war die mit Abstand populärste Persönlichkeit Georgiens und galt als Integrationsfigur des Landes. U. a. hatte er rund 50.000 Patenkinder. Der Patriarch wird am Sonntag, 22. März, in der historischen Sioni-Kathedrale in Tiflis beigesetzt.