Ergebnisse des "PGR-Kompass 2025" vorgestellt - PGRÖ-Sprecherin Buchinger: Pfarrgemeinderäte müssen unterschiedliche Generationen, Lebenssituationen und Milieus vertreten - Nächste Pfarrgemeinderatswahlen am 7. März 2027
Wien, 24.03.2026 (KAP) Rund 45.000 Frauen und Männer engagieren sich in Österreichs katholischen Pfarren als Pfarrgemeinderäte (PGR). Die aktuelle Befragung "PGR-Kompass 2025" unter 3.122 Engagierten zeigt eine hohe Zufriedenheit, macht aber auch Herausforderungen sichtbar, konkret bei der Gewinnung neuer Mitglieder im Vorfeld der nächsten Pfarrgemeinderatswahlen am 7. März 2027. Die Zukunft der Pfarrgemeinderäte wird laut Befragung "engagiert, aber nicht sorgenfrei" gesehen. Die Ergebnisse wurden am Montag bei einem österreichweiten Online-Forum präsentiert.
"Es gibt viel Engagement, viel Sinnorientierung und viel Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen", fasst die Sprecherin der PGR-Referentinnen und -referenten der Diözesen Österreichs, Barbara Buchinger, die Umfrage gegenüber Kathpress zusammen. "Viele Menschen tragen ihre Pfarre über Jahre hinweg mit, oft sehr verlässlich und mit großer innerer Motivation." Zugleich wachse das Bewusstsein, "dass die Zusammensetzung breiter werden muss - mit unterschiedlichen Generationen, Lebenssituationen und Milieus".
"Wenn wir Kandidatinnen und Kandidaten für die nächste PGR-Periode gewinnen möchten, geht es darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen Verantwortung gerne übernehmen: mit klaren Rollen, echter Beteiligung, Wertschätzung und mit überschaubaren Aufgaben", betonte Buchinger. Der Blick auf die nächste Wahl zeigt dazu ein gemischtes Bild: So sind 42 Prozent der Befragten zuversichtlich, neue Kandidatinnen und Kandidaten zu gewinnen, 37 Prozent halten das für eher schwierig.
Nötig sei ein "glaubwürdiges Bild" von den Aufgaben des Pfarrgemeinderats meinte Buchinger. PGRs seien nicht nur da, "um den Betrieb aufrechtzuerhalten, sondern um das Evangelium in die Gesellschaft hineinzuweben und dafür Kirche vor Ort gemeinsam weiterzuentwickeln".
"Königsklasse des Ehrenamts"
Die Ehrenamts-Referentin Barbara Krotil aus der Diözese Graz-Seckau unterstrich im Rahmen der Studien-Präsentation am Montagabend die Bedeutung von Wertschätzung und Offenheit: Zufriedenheit steige, "je mehr dem Anders-Sein wertschätzend Platz gegeben wird". Sie plädierte dafür, "Fehler zu erlauben und neue Ideen zu begrüßen". Ein Teil der Befragten sieht etwa Verbesserungsbedarf bei der offenen und sachlichen Konfliktkultur.
Gleichzeitig zeige sich, dass Ehrenamt immer häufiger gezielt selbst gewählt werde, sagte Krotil vor rund 130 Teilnehmenden: "Die Menschen wählen ein Ehrenamt, das zu ihnen passt." Mit Blick auf den Freiwilligenbericht des Sozialministeriums erklärte sie, die Zahl der Ehrenamtlichen bleibe stabil, Dauer und Intensität des Engagements nähmen jedoch ab. "Mit Blick auf diesen Trend ist der Pfarrgemeinderat die Königsklasse des Ehrenamts." Für Pfarren ergebe sich daraus die Notwendigkeit, unterschiedliche Formen der Beteiligung anzubieten.
Motivation und Glaube
Die Leiterin des Befragungsprojektes PGR-Kompass, Birgit Bathic-Kunrath, sagte: "Der PGR-Kompass 2025 ergab insgesamt eine hohe Zufriedenheit mit der Sitzungskultur, Wertschätzung im PGR, wie Entscheidungen fallen und wie mit unterschiedlichen Meinungen umgegangen wird." Zugleich gebe es aber Kritik daran, "dass nicht immer offen und sachlich diskutiert wird und dass kritische Stimmen nicht immer genug Raum bekämen".
Die Motivation für das Engagement im Pfarrgemeinderat ist laut Befragung hoch: Knapp 80 Prozent wollen das Pfarrleben aktiv mitgestalten, je 36 Prozent nennen den Wunsch, den Glauben zu leben sowie projektorientiert zu arbeiten. Rund 90 Prozent sind mit der organisatorischen Arbeit zufrieden, 85 Prozent mit der Zusammenarbeit im Gremium und 80 Prozent mit der seelsorglichen Tätigkeit. Mehr als 90 Prozent geben an, ihre Kompetenzen einbringen zu können und Wertschätzung zu erfahren.
Thematisch engagieren sich die Befragten vor allem bei Festen und Feiern (zwei Drittel), liturgischen Diensten (die Hälfte), Öffentlichkeitsarbeit (ein Drittel) und im sozialen Bereich (28 Prozent). Auch Kinder- und Jugendpastoral sowie Instandhaltungsarbeiten werden mit jeweils rund 31 Prozent häufig genannt. Für 82 Prozent sind Glaube und Spiritualität wichtig im Engagement, drei Viertel sehen sie auch als relevant für Entscheidungen im Pfarrgemeinderat. 63 Prozent sagen, dass ihnen die Tätigkeit hilft, ihren Glauben zu leben.
Wahlen alle fünf Jahre
An der Befragung nahmen online 3.122 Pfarrgemeinderät:innen zwischen 16 und 89 Jahren aus allen Diözesen Österreichs teil. 2024 wurde der erste "PGR-Kompass" mit 3.114 Ehrenamtlichen durchgeführt.
Die Wahlen zum Pfarrgemeinderat finden alle fünf Jahre statt. Das Gremium ist gemeinsam mit dem Pfarrer oder Pfarrvorsteher für die Gestaltung und Entwicklung des pfarrlichen Lebens zuständig. Neben gewählten Mitgliedern gehören auch amtliche sowie entsandte Personen den Pfarrgemeinderäten an. (Website: www.pfarrgemeinderat.at)