Palmlatten und Fleischweihe: Brauchtum rund um Ostern
26.03.202613:13
Österreich/Brauchtum/Ostern/Kirche/Religion/Feiertage/Religionsfest oder Feiertag/Religionsritual
Wie kam der Osterhase zum Ei? Warum sind in manchen Regionen Tirols die "Palmlatten" bis zu 35 Meter lang? Und was hat es mit den Ratschen und der "Fleischweihe" auf sich?
Wien, 26.03.2026 (KAP) Vom Osterhasen bis zur speziellen Palmbuschen in Tirol und der beliebten "Halleluja-Jause": Rund um Ostern hat sich im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl an Bräuchen und Symbolen entwickelt, die - in teils veränderter Form - bis heute lebend sind. Hase, Osterlamm und Ei zählen zu den wohl bekanntesten, doch auch Traditionen wie der Palmbuschen, das Ratschen oder die beliebte Osterspeisensegnung prägen das Fest.
Unübersehbar ist die Kombination aus Hase und Ei. Fest steht: Der Hase bringt die Eier; woher er sie hat, bleibt offen. Denn das Ei war lange vor dem Hasen da. Schon vorchristlich galt es als Symbol des erwachenden Lebens. Die Christen übernahmen das Zeichen und deuteten es auf die Auferstehung Christi hin: So wie das Küken die Schale durchbricht, verlässt Jesus lebendig das Felsengrab - so eine der vielen Auslegungen, etwa vom Theologen und Ex-Pastoralamtsleiter Karl Veitschegger (www.karl-veitschegger.at).
Es ranken sich aber auch Legenden rund um das Ei. Eine berichtet von Maria Magdalena, die mit einem Ei einen Wachsoldaten bestochen haben soll, um zum Haus des Pilatus zu gelangen und am Prozess Jesu teilnehmen zu können. In der Fastenzeit war der Verzehr tierischer Produkte untersagt. Das Ei, einst als "flüssiges Fleisch" betrachtet, wurde so zum ersehnten Ostergeschenk. Mancherorts diente es in dieser Zeit sogar als Zahlungsmittel.
Osterhase und Osterlamm
Wie der Osterhase zum Ei kam, bleibt unbekannt. Erstmals schriftlich erwähnt wurde es 1682. Deutungen reichen von einer möglichen Verwechslung mit dem Osterlamm bis hin zur Symbolik des Hasen selbst: Seine Fruchtbarkeit machte ihn zum Zeichen neuen Lebens, seine angeblich stets offenen Augen zum Sinnbild des auferstandenen Christus. Heute zählt der Schoko-Osterhase zum fixen Bestandteil von Osterkörben - traditionell wird er am Ostersonntag gemeinsam mit gefärbten Eiern versteckt und gesucht.
Im Unterschied dazu ist die christliche Bedeutung des Osterlamms klar verankert. Das Lamm gilt seit biblischer Zeit als Symbol für Leben und Opfer. Im Neuen Testament wird Jesus als "Lamm Gottes" bezeichnet; in der christlichen Deutung erscheint er als das "wahre Paschalamm". Diese Symbolik spiegelt sich auch im Brauchtum wider: Gebackene Osterlämmer sind bis heute Teil der Speisensegnung.
Palmzweige und Osterstrauch
Auch Pflanzen haben ihren festen Platz im Osterbrauchtum. An erster Stelle steht der Palmbuschen, der an den biblischen Einzug Jesu in Jerusalem erinnert. Als "Friedenskönig" wurde er mit Palmzweigen begrüßt, im Judentum ein Zeichen der Huldigung und des Sieges. Am Palmsonntag werden die Palmbuschen gesegnet, in manchen Gemeinden sogar von einem hölzernen Esel mit Christusfigur begleitet. Da echte Palmen in Österreich selten sind, werden meist Zweige von Buchsbaum, Weide, Fichte oder Wacholder verwendet und kunstvoll gebunden oder auf Stangen befestigt.
Die Gestaltung und das Aussehen der Palmbuschen unterscheiden sich regional stark: In Kärnten sind Palmbesen verbreitet, bekannt ist in Kärnten vor allem auch das Palmstangen-Tragen im Katschtal; im Tiroler Raum besonders hohe "Palmlatten". Die geschmückten Stangen können bis zu 35 Meter lang werden und müssen deshalb von bis zu 30 Personen getragen werden. In der Tiroler Ortschaft Imst gibt es gar einen Wettbewerb um die längste Latte. Den Weltrekord hält laut Diözese Innsbruck die Gemeinde Vals mit einer Palmlatte von 45,55 Metern.
In Orten wie Thaur und Hall in Tirol haben sich zudem Palmesselprozessionen erhalten, bei denen eine Christusfigur auf einem hölzernen Esel durch den Ort gezogen wird.
Auch der Osterstrauch gehört zu den Feierlichkeiten dazu, er ist meist aus Weidenkätzchen, Kirsch- oder Forsythienzweigen. Dies hat zwar keinen direkten biblischen Ursprung, symbolisiert aber das Aufblühen des Lebens. Früh ins Haus geholt, beginnen die Zweige zu Ostern zu blühen.
Speisensegnung und Ratschen
Ein zentraler Bestandteil des Osterfestes ist die Segnung der Osterspeisen. Die Wurzeln dieses Brauchs reichen bis ins 7. Jahrhundert zurück. Traditionell werden Brot, Schinken, Eier, Kren, Salz und Kräuter am Karsamstag gesegnet, dann folgt die anschließende "Halleluja-Jause".
Besonders beliebt ist die Osterspeisensegnung ("Fleischweihe") in Kärnten und in der Steiermark, wo sie auch schon tagsüber am Karsamstag in Kirchen, Kapellen und auch an Bildstöcken und Wegkreuzen stattfindet. Die Osterspeisensegnung wird als Abschluss der Fastenzeit gefeiert und erinnert an die Mähler, die Jesus gemeinsam mit anderen hielt.
Weit verbreitet ist auch das Ratschen: Kinder und Jugendliche ziehen von Gründonnerstag bis Karsamstag mit hölzernen Ratschen durch die Orte und ersetzen das Glockengeläut, das der Überlieferung nach in dieser Zeit "nach Rom fliegt". Begleitet wird der Brauch von regional unterschiedlichen Sprüchen; als Dank erhalten die Ratschenkinder meist Süßigkeiten oder Geld.
Eine besondere Form des Ratschen pflegt der Linzer Mariendom: Dort wird am Karfreitag und Karsamstag vom Turm aus geratscht. Dafür steigen die Kinder mehrmals täglich die rund 400 Stufen hinauf und ratschen in rund 68 Metern Höhe.