Für die Menschen auf dem Kontinent haben Religion und Glaube im Alltag eine zentrale Rolle - Von Katrin Gänsler
Abuja/Bonn, 08.04.2026 (KAP/KNA) Endlich: Auf einen Papstbesuch musste Afrika jetzt länger warten. Vor drei Jahren, also Anfang 2023, hatte Franziskus den Kontinent bereist und war im Südsudan und in der Demokratischen Republik Kongo. Doch jetzt ist es soweit: Nachfolger Leo XIV. ist ab dem 13. April zu Gast in Algerien, Kamerun, Äquatorialguinea und Angola. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) hat einige Fakten rund um Religion, Glaube und die katholische Kirche in Afrika zusammengestellt.
- Die Zahl der Katholiken steigt in Afrika nach Angaben der neuesten kirchlichen Statistiken überdurchschnittlich - zuletzt von 281 Millionen im Jahr 2023 auf gut 288 Millionen im Jahr 2024 und somit um 2,7 Prozent. Demnach ist etwa jeder fünfte Afrikaner heute Katholik - und mehr als ein Fünftel der Katholiken weltweit leben in Afrika. Allerdings: Auch die Bevölkerung in Ländern südlich der Sahara wächst jährlich um etwa 2,7 Prozent.
- Zahlenmäßig leben die meisten Katholiken in Kongo-Kinshasa, offiziell Demokratische Republik Kongo. Es sind mehr als 52 Millionen; gefolgt von Nigeria mit etwa 35 Millionen. Zahlen sind aber oft eher Schätzungen. Den höchsten Anteil an der Bevölkerung haben Katholiken hingegen auf den Kapverden und in Äquatorialguinea. Dort sind mindestens drei von vier Einwohnern in der katholischen Kirche.
- Die größte katholische Kirche steht mit der Basilika Notre-Dame-de-la-Paix in Yamoussoukro, der Hauptstadt der Elfenbeinküste. Der "afrikanische Petersdom" ist mit 158 Metern höher als sein Original und verfügt über 7.000 Sitz- und 11.000 Stehplätze. Der erste Präsident des Landes seit der Unabhängigkeit von Frankreich, Félix Houphouët-Boigny (1905-1993), ließ ihn bauen, als er seinen Heimatort im Jahr 1983 zur Hauptstadt machte. Zur Einweihung kam Papst Johannes Paul II. persönlich.
- Zwar bleibt die katholische Kirche in vielen Ländern einflussreich; in Nigeria äußert sich die Bischofskonferenz regelmäßig zu politischen Entwicklungen. Zunehmend sichtbar werden aber charismatische und Pfingstkirchen. Im westafrikanischen Ghana gehört knapp jeder Dritte einer solchen Kirche an (2010: 28 Prozent); in Malawi im Südosten Afrikas schrumpfte der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung ebenfalls von 20 Prozent im Jahr 2005 auf gut 17 Prozent im Jahr 2018.
- Dass Kirchen sich registrieren müssen, ist in vielen Ländern des Kontinents ungewöhnlich. Häufig reicht der "Ruf Gottes" und in einer Wohnung, einem Schuppen, einem Hinterhof entsteht ein Gotteshaus. Als Ruanda unter dem autokratischen Machthaber Paul Kagame 2024 Tausende Kirchen schließen ließ, sorgte das für viel Kritik. Vor allem Freikirchen profitieren von laxen Regulierungen. Ihre Beliebtheit hängt oft mit wirtschaftlichen Versprechen zusammen. Wer betet - und somit der Kirche spendet -, wird reich belohnt, lautet eines davon. In Nigeria machen das eine Reihe von Pastoren vor, die ganz selbstverständlich Privatflugzeuge besitzen.
- Bis heute zeigt sich, wie eng Evangelisierung und Kolonialisierung verbunden waren. In Nigeria, einst britische Kolonie, ist die anglikanische Kirche weiterhin verbreitet, aber deutlich konservativer als im Mutterland.
- Ein Land ohne Christen? Das ist möglicherweise die Westsahara, deren Status aus Sicht der Sahrauis, der eigentlichen Bewohner, ungeklärt ist. Obwohl einst spanische Kolonie, leben Schätzungen zufolge höchstens ein paar hundert Christen auf dem Gebiet, das der Weltsicherheitsrat 2025 zum autonomen Gebiet von Marokko erklärte. Dabei soll es sich um marokkanische Christen handeln. Marokko betreibt seit Jahrzehnten eine gezielte Siedlungspolitik.
- Eine lange Tradition auf dem Kontinent hat der Islam. Er breitete sich ab dem 8. Jahrhundert an der ostafrikanischen Küste - in der dort verbreiteten Sprache Swahili ist etwa jedes dritte Wort aus dem Arabischen entlehnt - und ab dem 9. Jahrhundert im Sahel durch Handel aus. Mit Timbuktu im heutigen Mali entstand auch ein bedeutendes Wissenschaftszentrum.
- Mächtige muslimische Reiche, die Kriege gegen die Nachbarn führten, entstanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Ein Beispiel ist das Sokoto Kalifat im heutigen Nordnigeria. Lange galt ein radikaler, konservativer Islam als fremd. Doch salafistische wie wahhabitische Bewegungen sind zunehmend präsent.
- Religions-Spitzenreiter ist jedoch Benin in Westafrika, wo Voodoo als offizielle Religion anerkannt ist. Gefeiert wird sie am 10. Jänner, dem nationalen Tag der indigenen Religionen. Das friedliche Zusammenleben gilt bisher als selbstverständlich. Offiziell praktiziert zwar nicht einmal jeder zehnte der knapp 14,5 Millionen Einwohner Voodoo. Inoffiziell dürften es vor allem an der Atlantikküste im Süden weitaus mehr Menschen sein.
(Kathpress-Schwerpunkt mit allen Meldungen und Hintergrundberichten zur Afrika-Reise von Papst Leo abrufbar unter www.kathpress.at/papst-in-afrika)