Papst ruft Christen in Algerien zu Nächstenliebe auf
14.04.202617:21
Algerien/Papst/Kirche
Leo XIV. feierte Gottesdienst in Augustinus-Basilika in der Küstenstadt Annaba
Annaba, 14.04.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat die christliche Minderheit in Algerien zu Zusammenhalt und sozialem Engagement aufgerufen. Angesichts von Not und Unterdrückung sei für Christen die Nächstenliebe das grundlegende Gebot, sagte er am Dienstag in der algerischen Küstenstadt Annaba.
Christen sollten ihren Nächsten so behandeln, wie sie selbst behandelt werden wollen. Von diesem Gesetz beseelt, werde die Kirche stets neu geboren, "weil sie Hoffnung weckt, wo Verzweiflung ist, weil sie Würde verleiht, wo Elend herrscht, weil sie Versöhnung schenkt, wo es Konflikte gibt", sagte er beim Gottesdienst in der Augustinus-Basilika.
Er äußerte sich am zweiten Tag seines Algerienbesuchs, der ersten Station seiner zehntägigen Afrikareise. In Algerien machen Katholiken heute nur noch etwa 0,2 Prozent der rund 46 Millionen Einwohner aus. Ihre Kirche ist als einzige christliche Gemeinschaft offiziell registriert. Staatsreligion ist wie in allen Maghreb-Ländern der Islam.
Die Geschichte der Christen in Algerien sei von Gastfreundlichkeit und von Standhaftigkeit in Zeiten der Prüfung geprägt, führte Leo XIV. in seiner auf Französisch gehaltenen Predigt aus. "Hier haben die Märtyrer gebetet, hier hat der heilige Augustinus seine Herde geliebt, indem er leidenschaftlich nach der Wahrheit suchte und Christus mit feurigem Glauben diente."
Die Christen sollten Erben dieser Tradition sein, indem sie in geschwisterlicher Liebe die Hoffnung auf Heil für die Welt bezeugen, so der Papst in der kleinen vollbesetzten Basilika.
Nicht von Angst zermürben lassen
Vordringliche Aufgabe der kirchlichen Hirten sei es, der Welt in Eintracht Zeugnis von Gott zu geben, "ohne dass uns die Sorgen durch Angst mürbe machen oder uns der Zeitgeist durch Kompromisse schwächt", sagte er an die Priester und Bischöfe gewandt.
"Liebe Christen in Algerien, bleibt in diesem Land ein demütiges und treues Zeichen der Liebe Christi", appellierte Leo XIV. "Bezeugt das Evangelium durch einfache Gesten, echte Beziehungen und einen Dialog, den ihr Tag für Tag lebt." Damit sei ihre Präsenz "ein glühendes Körnchen Weihrauch", das Gott Ehre erweist und vielen Brüdern und Schwestern Freude und Trost schenkt.
Leo an Wirkungsstätten des heiligen Augustinus
Am Vormittag hatte Leo XIV. die Ausgrabungsstätte des antiken Hippo besucht, wo sein "geistlicher Vater" Augustinus gewirkt hatte. An den Ruinen in der heutigen Küstenstadt Annaba pflanzte er symbolisch einen Olivenbaum und hielt ein stilles Gebet. Dem Kirchenvater und Bischof Augustinus (354-430) ist der Papst als Mitglied des Augustinerordens eng verbunden.
Anschließend besuchte Leo ein von Ordensfrauen betriebenes Pflegeheim und aß mit Mitgliedern seines Augustinerordens zu Mittag. Am Abend fliegt der Papst zurück in die Hauptstadt Algier.
Am Mittwoch nach Kamerun
Für Mittwoch ist die Weiterreise des Papstes zu seinem zweiten Reiseziel Kamerun geplant. Bis 23. April stehen noch Angola und Äquatorialguinea auf dem Programm. Es ist die bislang längste Reise des Kirchenoberhaupts.
(Kathpress-Schwerpunkt mit allen Meldungen und Hintergrundberichten zur Afrika-Reise von Papst Leo abrufbar unter www.kathpress.at/papst-in-afrika)