Kirchenoberhaupt am zweiten Besuchstag in Algerien auf den Spuren des heiligen Augustinus - Von Kathpress-Korrespondentin Severina Bartonitschek
Annaba, 14.04.2026 (KAP) Leo XIV. kämpft - gegen Regen und Sturm - als er einen kleinen Olivenbaum unter einem weißen Pavillon pflanzt, der nur wenig Schutz vor dem stürmischen Wetter bietet. Er befindet sich an dem Ort, wo einst die Bischofskirche des Mannes stand, dessen Erbe das Leben des Papstes stark geprägt hat: der heilige Augustinus von Hippo.
Bereits der erste Tag von Leos XIV. Afrikareise war von Unwettern geprägt - buchstäblich und durch die Polemiken von US-Präsident Donald Trump. An Tag Nummer zwei am Dienstag schien der Papst den Sturm in das etwa 500 Kilometer entfernte Annaba - in der Antike "Hippo regius" - mitzunehmen. In der Küstenstadt, die bereits im 3. Jahrhundert Bischofssitz war, starb Augustinus im Jahr 430.
Wilde Jugend
Der Kirchenlehrer wurde 354 in Thagaste geboren, dem heutigen Souk-Ahras in Algerien. Nach einer unruhigen Jugend konvertierte er zum Christentum, wurde in Mailand getauft, kehrte zunächst in seine Geburtsstadt zurück und wurde schließlich Bischof von Hippo.
In der Spätantike war die Region ein christlich geprägtes Gebiet mit gut 300 Diözesen. Mit der arabisch-islamischen Eroberung Nordafrikas wurde Hippo zerstört, viele Christen flohen oder konvertierten zum Islam. Heute sind nur noch ein paar Ruinen der antiken Stadt übrig.
Zu seinen Lebzeiten hatte Augustinus Klöster gegründet und den Mönchen eine Regel gegeben - die älteste der Westkirche. Nach ihr lebte der heutige Papst Leo XIV. fast sein ganzes Leben lang als Augustiner, leitete den internationalen Orden über zwölf Jahre lang. Entsprechend gerührt zeigte sich der aktuelle Papst, als er an der ehemaligen Wirkungsstätte im Gebet verharrte.
Geistlicher Vater
Beim Moscheebesuch am Vorabend in Algier hatte Leo XIV. Augustinus als seinen geistlichen Vater bezeichnet. Er habe mit seiner Suche nach der Wahrheit, also seiner Suche nach Gott, der Welt viel beibringen wollen, indem er die Würde jedes Menschen und die Bedeutung des Friedensstiftens anerkannte, so der Papst.
Die Gelegenheit zu einem Besuch der Stätte bezeichnete Leo XIV. auf dem Flug nach Algerien als einen wirklichen Segen - für ihn persönlich, aber auch für die Kirche und die Welt. Wie schon Augustinus müssten die Menschen immer nach Brücken suchen, um Frieden und Versöhnung zu schaffen. "Und so stellt diese Reise wirklich eine unschätzbare Gelegenheit dar, mit derselben Stimme, mit derselben Botschaft weiterzumachen. Denn wir wollen Frieden, Versöhnung, Respekt und Rücksichtnahme für alle Völker fördern", so Leo XIV.
Frieden statt "gerechtem Krieg"
Wie Leo XIV. heute, wirkte Augustinus in einer Zeit großer Krisen; er war es, der die abendländische Version des "bellum iustum" formulierte: Um einer gerechten Sache willen dürfe Krieg geführt werden, wenn er sich gegen begangenes Unrecht richte und die Mittel angemessen seien.
Erwartbar schlug der Papst am Dienstag andere Töne an. Bei einer Messe in der Basilika des heiligen Augustinus sprach er über eine Zukunft in Gerechtigkeit und Frieden, in Eintracht und Heil. "Deshalb gilt für Christen, vor allem angesichts von Not und Unterdrückung, die Nächstenliebe als grundlegendes Gebot", so Leo XIV.
Die algerischen Christen insbesondere rief er dazu auf, in diesem Land ein demütiges und treues Zeichen der Liebe Christi zu sein. "Bezeugt das Evangelium durch einfache Gesten, echte Beziehungen und einen Dialog, den ihr Tag für Tag lebt."
(Kathpress-Schwerpunkt mit allen Meldungen und Hintergrundberichten zur Afrika-Reise von Papst Leo abrufbar unter www.kathpress.at/papst-in-afrika)