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Podiumsdiskussion 'Klima - Verspielte Zukunft?' in Wiener Karlskirche
Bild Copyright: © Cynthia Fischer Fotografie

Klimakrise: Experten rufen zu Hoffnung und Verantwortung auf

08.05.2026 10:18
(zuletzt bearbeitet am 08.05.2026 um 14:01 Uhr)
Österreich/Klimaveränderung/Gesellschaft/Wissenschaft/Kirche/Wirtschaft
Diskussion in Wiener Karlskirche über Erderwärmung, soziale Verantwortung und Grenzen des Wirtschaftens - Innovation, gesellschaftliches Umdenken und internationale Zusammenarbeit als Gründe für optimistischen Zugang
Wien, 08.05.2026 (KAP) Mit einem Appell zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung, Solidarität und einer neuen Kultur des Maßhaltens haben Vertreter aus Kirche, Wissenschaft und Wirtschaft am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in der Wiener Karlskirche Perspektiven in der Klimakrise diskutiert. Unter dem Titel "Klima - Verspielte Zukunft? Apokalypse, Hoffnung und Handeln" stand im Rahmen der Klima Biennale Wien 2026 insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie angesichts wachsender ökologischer und politischer Krisen Hoffnung und konkretes Handeln verbunden werden können.

Der Rektor der Karlskirche, P. Marek Pucalik, deutete bereits den musikalischen Auftakt des Abends als Symbol der Gegenwart. Eine Improvisation des Organisten Felix Krieg über Smetanas "Moldau" habe gezeigt, wie aus harmonischen Klängen Bedrohung und Dissonanz entstehen könnten. "Die Natur, die wir eingehegt und mit der wir zu leben gelernt hatten, wurde zur Bedrohung", sagte Pucalik. Zugleich hob er hervor, dass das Christentum wesentlich von Hoffnung geprägt sei. Gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen brauche es Zukunftsperspektiven, "die Menschen zu verantwortlichem Handeln motivieren".

Die Sozialethikerin Ingeborg Gabriel verwies auf die globale Ungleichheit der Klimakrise und griff die von Papst Franziskus geprägte Idee einer "ökologischen Schuld" auf. Zwischen Industrie- und Entwicklungsländern bestehe ein massives Gefälle bei Verantwortung und Belastungen. Zugleich brauche es auch innerhalb westlicher Gesellschaften ein neues Verständnis menschlicher Grenzen. "Wir können nicht grenzenlos leben und wirtschaften", betonte Gabriel. Mit Blick auf Digitalisierung und künstliche Intelligenz warnte sie zudem davor, technische Effizienz automatisch mit Nachhaltigkeit gleichzusetzen. "Wir werden nicht glücklicher, nur weil wir mehr besitzen."

Religion Teil des Problems oder der Lösung

Der Pastoraltheologe Johann Pock bezeichnete die Klimakrise als fundamentale Frage menschlicher Lebensmöglichkeiten. Religionen könnten dabei "Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung" sein. Die Idee der Schöpfungsverantwortung eröffne die Möglichkeit gemeinsamer ethischer Orientierung über Religionsgrenzen hinweg. Entscheidend sei letztlich die Frage nach einem guten gemeinsamen Leben. Zum Abschluss formulierte Pock seine Hoffnung in einem ethischen Leitgedanken: "Solidarität und Nächstenliebe müssen stärker werden als Egoismus."

Gabriel verwies in diesem Zusammenhang auf die Umwelt-Enzyklika "Laudato si'" von Papst Franziskus, die in der katholischen Kirche einen Perspektivwechsel eingeleitet habe. Die Kirchen könnten künftig wichtige Orte gesellschaftlicher Verständigung sein. "Die Kirche ist wie ein Ozeandampfer. Wenn sie sich einmal in Bewegung gesetzt hat, ist sie kaum aufzuhalten", sagte Gabriel.

Belohnungen, Kostenwahrheit und Transparenz

Aus Sicht der Wirtschaft hob die Geschäftsführerin von Alstom Österreich, Lilian Meyer, die Bedeutung nachhaltiger Mobilität hervor. Der Verkehrssektor gehöre weiterhin zu den größten Verursachern von Treibhausgasen. Entscheidend seien funktionierende öffentliche Verkehrssysteme sowie neue Anreizmodelle. "Appelle funktionieren nicht so gut, Incentives sind besser", sagte Meyer. Zugleich plädierte sie für einen pragmatischen Zugang zu technologischen Lösungen und verwies auf Chancen künstlicher Intelligenz zur effizienteren Steuerung von Verkehrsflüssen.

Der Klimaexperte Klaus Radunsky erinnerte an Fortschritte internationaler Klimapolitik, warnte jedoch vor den langfristigen Folgen des CO2-Ausstoßes. Gleichzeitig seien einschneidende Maßnahmen politisch oft schwer durchsetzbar: "Wer sich sowas aufbürdet, wird abgewählt."

Österreich habe beim Energieverbrauch bereits Fortschritte erzielt, ergänzte der Energieexperte Reinhard Haas. Er sei trotz wirtschaftlicher Entwicklung in den vergangenen 15 Jahren nicht gestiegen. Gleichzeitig werde die Dimension der Klimakrise gesellschaftlich noch immer unterschätzt. "Dass Energie einfach nur billig sein muss, ist nicht der richtige Weg", befand Haas. Es brauche mehr Kostenwahrheit und Transparenz über die tatsächlichen ökologischen und wirtschaftlichen Folgen des Energieverbrauchs.

Hohe Kosten der Klimaneutralität

Der hohe Energieverbrauch und seine Kosten sind ein zentraler Faktor für den Wirtschaftsstandort Österreich. Judith Obermayr-Schreiber von der Industriellenvereinigung verwies in der Diskussion auf die hohen Kosten der Klimaneutralität: Für die Netzinfrastruktur seien bis 2040 Investitionen von 53 Milliarden Euro nötig, dazu komme die Umstellung auf klimaneutralen Wasserstoff. Besonders energieintensive Branchen wie die Zementindustrie stünden massiv unter Druck.

Zugleich sei die wirtschaftliche Lage vieler Industriebetriebe angespannt: Zwischen 2023 und 2025 seien in Industrie, Gewerbe und Bau 37.000 Arbeitsplätze abgebaut worden, und gerade die metalltechnische Industrie stehe unter starkem Wettbewerbsdruck. Klimapolitik müsse daher auch Standortpolitik sein, betonte Obermayr-Schreiber, denn österreichische Industrien produzierten vergleichsweise klimafreundlich, während Verlagerungen ins Ausland die Emissionen erhöhten. Gleichzeitig verwies sie auf die Innovationskraft des Standorts, etwa in der Halbleiterindustrie sowie in der Kreislauf- und in der Abfallwirtschaft.
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