Grazer Bischof würdigt differenzierten Blick des Papstes auf KI, der sich auch "nicht zu schade ist, um Verzeihung zu bitten für die langwierige Entwicklung kirchlicher Lehre hin zur Verachtung der Sklaverei"
Graz/Wien, 25.05.2026 (KAP) Mit seiner neuen Enzyklika will Papst Leo XIV. die Menschen ermutigen und befähigen, "dieser Welt Hoffnung einzustiften". Darauf hat der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl unmittelbar nach Veröffentlichung des ersten großen Lehrschreibens des Papstes am Pfingstmontag gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress hingewiesen. "Magnifica humanitas" sei mehr als eine "KI-Enzyklika", so wie auch "Laudato sí" mehr sei als eine "Umweltenzyklika". "Sie ist ein großes Bedenken der vielfältigen Herausforderungen der Menschheit in Zeiten der KI, die sich ständig und mit großer Geschwindigkeit ändern: Gerade deswegen gilt es innezuhalten und Umschau zu halten, um den rechten Weg zu finden", gab Krautwaschl zu bedenken. Der Grazer Bischof ist in der Bischofskonferenz für Bildung und Schule zuständig.
Schon eingangs mache der Papst die Stoßrichtung aller folgenden Gedanken klar: "Die von Gott geschaffene 'Großartige Menschheit' steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen." Im gesamten Dokument werde deutlich gemacht, dass nicht "KI an sich" zu bewerten sei, sondern deren Anwendung: "Alles soll der Entfaltung des Menschen in seiner ihm von Gott zugedachten Würde dienen", so der Bischof in seiner Analyse, der die differenzierte Sichtweise würdigte: "Immer und immer wieder werden daher positive Seiten neben anderen, fragwürdigen benannt."
"Nicht zu schade, um Verzeihung zu bitten"
Der Papst komme auch auf Themenbereiche zu sprechen, "die vielleicht zunächst nicht mit Fragen rund um die KI verbunden werden - etwa die Sklaverei bzw. neue und moderne Formen der Sklaverei im KI-Zeithalter. "Hier ist sich Leo XIV. auch nicht zu schade, um Verzeihung zu bitten für die langwierige Entwicklung kirchlicher Lehre hin zur Verachtung der Sklaverei", hob der Bischof hervor. Zudem nutze der Papst die Fragen zum KI-Einsatz in Kriegen und Auseinandersetzungen, um seine Vorstellungen zu Frieden und Gerechtigkeit deutlich zu artikulieren.
An mehreren Stellen des Dokuments sei auch die Bedeutung von Bildung angesprochen, führte der Bischof weiter aus. "Alles - eben auch KI - hat dem Menschen zu dienen, der berufen ist, im Miteinander der Liebe sich selbst zu übersteigen, im Wissen, dass er nicht vollkommen ist: Effizienz ist eben nicht das alleinige Maß, das an den Menschen angelegt werden kann und darf."
Bischof Krautwaschl würdigte den konstruktiven Ausblick des Lehrschreibens mit einigen Aufforderungen zur positiven Nutzung. Es gehe darum, dass wir "als Menschheit und erst recht als Christen Baumeister der Hoffnung" sind. Zusammengefasst heißt dies aus der Sicht des Bischofs: "Leben wir den Glauben als Fundament und damit auch die Akzeptanz menschlicher Begrenztheit! Bleiben wir der Wahrheit treu! Investieren wir in Bildung, die bei uns selbst beginnt! Pflegen wir - reale - Beziehungen, die sich auf der Ebene der Verantwortungsträger eben auch durch Dialog auszeichnen soll! Leben wir Gerechtigkeit und Frieden, wobei alles im Kleinen beginnt und jeder Mensch dafür Verantwortung trägt, beginnend im Denken, Reden und Handeln!"