Geschäftsführer des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Zeidan, bei Ordensfeier in Klagenfurt: Heiliges Land droht zu "Museum des Christentums ohne Christen" zu werden
Klagenfurt, 19.09.2026 (KAP) Die christliche Präsenz im Heiligen Land und die konkrete Unterstützung ihrer Menschen standen am Samstag im Mittelpunkt der Investitur der Österreichischen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in Klagenfurt. Beim Festkapitel im Klagenfurter Konzerthaus sprach der neue Geschäftsführer des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Johny Zeidan, über die Verantwortung des Ordens für die christlichen Gemeinschaften in Israel und Palästina. Im Klagenfurter Dom waren zuvor durch Großprior Erzbischof Franz Lackner zwei Damen und neun Ritter in den Orden aufgenommen worden.
Zeidan stellte in seiner Ansprache das biblische Bild der "lebendigen Steine" aus dem Ersten Petrusbrief ins Zentrum. Die christliche Präsenz im Heiligen Land dürfe sich nicht auf die Bewahrung heiliger Stätten und historischer Gebäude beschränken. Kirchen, Schulen, Pfarren und andere Einrichtungen würden erst durch die Menschen lebendig, die dort leben, arbeiten, ihre Kinder großziehen und trotz schwieriger Bedingungen an ihrer Heimat festhalten. Ohne diese Menschen drohe das Heilige Land zu einem "Museum des Christentums ohne Christen" zu werden.
Der seit Anfang September amtierende Patriarchats-Geschäftsführer verwies dabei auf die praktische Bedeutung der Unterstützung. Schulen ermöglichten Kindern Bildung und damit Zukunftsperspektiven, Arbeitsplätze schafften Würde und Stabilität, Wohnraum könne Familien eine Perspektive zum Bleiben geben. Pfarren wiederum seien Orte, an denen Menschen getauft und getraut würden, gemeinsam beteten und in schwierigen Zeiten Unterstützung fänden. "Infrastruktur der Hoffnung" nannte Zeidan diese Bereiche.
Kleine Gemeinschaft braucht Begleitung
Besonders eindringlich verwies er auf die christliche Minderheit im Gouvernement Jenin im Norden des Westjordanlands. Dort lebten rund 300.000 Menschen, darunter nach seinen Angaben etwa 350 Christen. Entscheidend sei nicht allein finanzielle Hilfe, sondern der Aufbau persönlicher Beziehungen. Europäische Christen könnten zu konkreten Weggefährten der kleinen Gemeinschaft werden, sie kennenlernen, für sie beten und insbesondere junge Menschen begleiten. Solidarität werde so zu Gemeinschaft und könne dazu beitragen, dass die nächste Generation eine Zukunft im Heiligen Land sehe.
Auch die Erfahrungen der österreichischen Statthalterei mit konkreten Projekten wurden beim Festkapitel thematisiert. Statthalter Werner Johler berichtete von einem Projektbesuch im Gazastreifen, bei dem inzwischen wieder Kinder eine katholische Schule besuchen können. An der Schule würden auch muslimische Kinder unterrichtet.
Engagement im Bildungsbereich
Der Ritterorden unterstützt weltweit Einrichtungen des Lateinischen Patriarchats und nach eigenen Angaben jährlich mit rund zwölf Millionen Dollar. Die Hilfe reicht von Schulen und sozialen Einrichtungen bis zu pastoralen und humanitären Projekten. Nach Angaben des Ordens unterstützt das Lateinische Patriarchat mit seinen Einrichtungen mehr als 200.000 Katholiken, beschäftigt mehr als 2.000 überwiegend christliche Mitarbeiter und trägt zur Finanzierung von 44 Schulen mit rund 19.500 Schülern bei.
Die österreichische Statthalterei engagiert sich darüber hinaus für das Österreichische Hospiz in Jerusalem, das für den Orden eine wichtige Anlaufstelle und "Heimat im Heiligen Land" darstellt, wie es hieß. Auch die bevorstehende notwendige Sanierung des Hospizes soll unterstützt werden.
Die Investitur war am Freitag mit einer Vigil in der Stadtpfarrkirche St. Egid eröffnet worden. Zelebrant war Großprior Erzbischof Franz Lackner, die Predigt hielt Domdekan Peter Allmaier, Prior der Komturei Klagenfurt. Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber würdigte dabei den Beitrag der Ordensmitglieder für Frieden, Solidarität und konkrete Hilfe im Heiligen Land.
Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist ein päpstlicher Laienorden und widmet einen wesentlichen Teil seiner Arbeit der Unterstützung der katholischen Kirche und ihrer Einrichtungen im Heiligen Land. Mit der Investitur in Klagenfurt setzt der Orden zugleich auf Wachstum. Die internationale Gemeinschaft zählt rund 30.000 Mitglieder; neue Strukturen sollen unter anderem in Bosnien-Herzegowina entstehen. In Österreich gehören ihr rund 550 Ritter und Ordensdamen in zwölf Komtureien an.