Regelmäßige Updates zur Gesundheit des Papstes liefert der Vatikan seit Tagen nicht mehr. Inzwischen kann man sich aber persönlich ein Bild von Leo XIV. machen, der sich wieder öffentlich zeigt. Dennoch bleiben Fragen - Kathpress-Rom-Hintergrundbericht von Sabine Kleyboldt
Vatikanstadt, 21.10.2026 (KAP) Am Dienstag vor einer Woche wurde Papst Leo XIV. in der römischen Gemelli-Klinik der rechte untere Lungenlappen samt bösartigem Tumor entfernt. Bereits am Samstag war der 71-Jährige wieder zurück im Vatikan. Tags darauf hielt er das gewohnte Mittagsgebet auf dem Petersplatz und kündigte an, "nach dieser heiklen Phase" seine Amtsgeschäfte Schritt für Schritt wieder aufzunehmen. Das tut er nun offenbar wieder mit fast voller Kraft. Dennoch bleibt die Frage, wie es mit seinen nächsten größeren Terminen kommende Woche in Assisi und ab dem 6. November in Südamerika aussieht.
Schon in der Klinik begann er mit Physiotherapie und Atemübungen, um der operierten Lunge wieder zu Volumen zu verhelfen. Der Verlust des rechten unteren Lungenlappens, des kleinsten von fünfen, macht laut Medizinern etwa ein Fünftel des Organs aus. Ansonsten gesunde und trainierte Menschen wie der sportliche Papst könnten dies durchaus kompensieren.
Anders als in gewöhnlichen Wochen verzichtete das Kirchenoberhaupt darauf, seinen "freien Dienstag" in seiner Residenz in Castel Gandolfo südlich von Rom zu verbringen. Wichtiger ist ihm derzeit offenbar die Genesung zu Hause im Apostolischen Palast.
Die laufenden Updates zu Leos Gesundheit hatte der Vatikan schon nach wenigen Tagen eingestellt. Äußerlich bietet er nicht das Bild eines Schwerkranken. Beim Verlassen der Gemelli-Klinik am Samstag war ihm keinerlei Mühe beim raschen Gehen anzumerken, und das Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz trug er mit fester Stimme vor. Auch bei der Generalaudienz am Mittwoch auf dem Petersplatz war ihm keine Schwäche anzumerken.
Unter dem Jubel Zehntausender fuhr er strahlend und nach allen Seiten winkend im weißen Papamobil eine Viertelstunde lang über den Petersplatz, bevor die Andacht mit Ansprache und Grüßen an Pilgergruppen in vielen Sprachen folgte. Die Gelegenheit, den spanischsprachigen Gruppen, unter denen wieder viele Lateinamerikaner waren, einen Wink zur bevorstehenden Reise zu geben, nahm er allerdings auch nicht wahr. Einige hatten darauf spekuliert.
Auf Friedens-Mission
Morgens stand bereits der Empfang von Teilnehmern einer Tagung des Dikasteriums für die Selig- und Heiligsprechungen auf seinem Terminplan - die erste Privataudienz seit einer Woche.
Auch seiner Mission für den Frieden geht der Papst weiter nach: Am Montag telefonierte Leo XIV. mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Genau wie bei dem überraschenden Telefonat am Freitagabend mit Russlands Präsident Wladimir Putin ging es um die humanitäre Lage in der belagerten Stadt Oleschky in der Südukraine.
Die vollständige postoperative Genesung des Papstes könnte laut seinem Operateur, dem Thorax-Chirurgen Stefano Margaritora, Anfang kommender Woche erreicht sein. Dann steht für den Papst ein symbolträchtiger Besuch in Assisi an: Die Teilnahme am Gebet der Weltreligionen für den Frieden, das Johannes Paul II. initiiert hatte. Dabei will Leo mit 80 Vertretern von Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus sowie weiterer Religionen und Konfessionen ein Manifest für den Frieden veröffentlichen.
Südamerika-Tour noch nicht bestätigt
Noch größere Strahlkraft hat freilich die Reise in seine "zweite Heimat". Der Augustinermönch, der rund 20 Jahre als Missionar und Bischof in Peru wirkte und deshalb auch dessen Staatsangehörigkeit besitzt, will zuvor auch Uruguay und Argentinien besuchen.
Dass die Reise vom 6. bis 17. November für ihn ein Herzensanliegen ist, hat der Papst bei vielen Gelegenheiten zum Ausdruck gebracht. Medizinisch scheint dem Zwölf-Tage-Trip nach Angabe der behandelnden Ärzte nichts entgegenzustehen, auch wenn die offizielle Ankündigung, dass die Reise tatsächlich stattfinden kann, weiter aussteht.
Organisatorisch gehen die Dinge jedenfalls voran: Schon am Freitag, am Tag vor der Klinik-Entlassung, wurde die lange erwartete Liste mit den gut 80 Medienleuten im vatikanischen Pressezentrum ausgehängt, die mitreisen dürfen. Ebenso konnten sich die Akkreditierten für die 55 Einzeltermine eintragen, darunter auch einige in der Andenstadt Cusco in gut 3.400 Metern Höhe.
Beten um gute Biopsie-Ergebnisse
Bis Mittwochmittag waren die Ergebnisse der Biopsie noch nicht veröffentlicht, die Aufschluss über weitere Behandlungen wie etwa Strahlen- oder Chemotherapie geben sollen. Doch auch die Familie des ersten US-Amerikaners im Papstamt gibt sich hoffnungsvoll. Louis Prevost (74) erklärte, seinem kleinen Bruder gehe es bestens.
Er stehe täglich mit dem Papst in Kontakt, sie machten Witze und viel Quatsch, berichtete der älteste der drei Prevost-Brüder dem US-Sender Fox News: "Wir beten weiter dafür, dass die Biopsie ein völlig negatives Ergebnis liefert und alles gut ausgeht." Die Familie erwarte "keine schlechten Nachrichten".