Leo XIV. startet seine Lateinamerika-Reise am Rio de la Plata - Von Tobias Käufer (KNA)
Montevideo , 30.10.2026 (KAP/KNA) Da staunten damals die internationalen Medienvertreter: Als am 1. Jänner 2023 Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zur Amtseinführung nach Brasilia eingeladen hatte, kam aus Montevideo nicht nur ein Präsident. Der damalige konservative Amtsinhaber Luis Alberto Lacalle Pou von der Partei Partido Nacional brachte auch noch zwei Vorgänger mit: Julio María Sanguinetti von der Mitte-Rechts-Partei Partido Colorado und José Mujica vom Linksbündnis Frente Amplio.
Das geschlossene, harmonische Auftreten der politischen Kräfte sorgte damals für ein internationales Echo. Das amerikanische Magazin "Americas Quarterly" kommentierte: "Dieses Foto löste in ganz Lateinamerika Neid aus." Denn es bewies, dass in einer funktionierenden Demokratie auch partei- und lagerübergreifende Zusammenarbeit möglich ist, wenn es dem Land und der Demokratie dient.
Hart in der Sache, aber respektvoll
Inzwischen gilt Uruguay als Vorzeige-Demokratie. Zwar streiten die politischen Kräfte in dem südamerikanischen Land in der Sache hart, gehen aber respektvoll miteinander um. Eine tiefe politische Spaltung wie etwa in Argentinien oder Brasilien, die Familien und Freundschaften entzweit, gibt es in Uruguay nicht.
Papst Leo XIV., der aus der US-Metropole Chicago stammt, wird deshalb mit besonderem Interesse nach dem harten Wahlkampf in seinem Heimatland rund um die Kongress-Wahlen genau zuhören, warum der uruguayischen Politik gelingt, was in anderen demokratischen Ländern zunehmend verloren geht.
Einigung auf erneuerbare Energien
Das gemeinsame Ziehen an einem Strang sorgt auch dafür, dass Uruguay in einigen zentralen gesellschaftlich relevanten Zukunftsfragen Vorreiter geworden ist. So ist es dem Land gelungen, einen Großteil seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken - eine grundsätzliche Richtungsentscheidung die von allen Kräften des Landes mitgetragen wurde und Uruguay unabhängig von den geopolitischen Krisen dieser Welt gemacht hat.
"Man wird unabhängig von all diesen Kriegen oder anderen geopolitischen Ereignissen", sagte seinerzeit Ramón Méndez Galain, der damals als verantwortlicher Energie-Direktor den Weg raus aus fossilen und hin zu erneuerbaren Energien umsetzte. "Fragen Sie mich, welche Auswirkungen dieser tragische Krieg in Europa auf den Elektrizitätssektor in Uruguay hatte - null", so der Experte mit Blick auf den Ukraine-Krieg.
Zwischen Brasilien und Argentinien
Mit nicht einmal vier Millionen Einwohnern auf einer Fläche ist allerdings auch vieles einfacher, weil überschaubarer. Ein Drittel der Uruguayer lebt in der Metropolregion Montevideo. Geprägt ist das Leben auch vom Einfluss der großen Nachbarn im Norden (Brasilien) und im Süden (Argentinien). Die Fähre "Papst Franziskus", die über den Rio de la Plata fährt, verbindet Uruguay mit Argentinien. Ein Direktflug zwischen den beiden Hauptstädten misst gerade einmal 220 Kilometer Luftlinie.
Uruguay ist das ideale Startland für Papst Leos elftägige Reise nach Südamerika vom 6. bis 15. November. Denn hier erwarten ihn keine großen Konfliktthemen wie in den folgenden Stationen Argentinien und Peru. Dafür aber eine Gebetswache im historischen Estadio Centenario in Montevideo, jenem Stadion, in dem Uruguay 1930 als erste Nation Fußballweltmeister wurde und Nachbar Argentinien mit 4:2 bezwang. 2030 wird die Arena Schauplatz des Eröffnungsspiels der WM 2030. Drei Wochen nach dem Papstbesuch wird in dem Stadion das Finale der südamerikanischen Champions League, der Copa Libertadores, ausgetragen - in aller Fairness, hoffen die Veranstalter.