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Armenische Gemeinde begrüßt Absage von Linzer Uni-Konferenz

30.10.2026 14:20
Österreich/Kirche/Wissenschaft/Menschenrechte/Politik
Kongress "Science Diplomacy" an Johannes Kepler Universität hätte laut Armenischer Gemeinde regimenahen Organisationen und Akteuren des aserbaidschanischen Präsidenten Aliyev eine Bühne geboten, die u.a. das Existenzrecht Armeniens infrage stellen
Linz/Wien, 30.10.2026 (KAP) Die Armenische (Kirchen)Gemeinde in Österreich hat die Entscheidung des Rektorats der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) begrüßt, den für Donnerstag und Freitag geplanten Kongress "Science Diplomacy" abzusagen. "Wir danken dem Rektorat für die Prüfung unserer Einwände und das rasche Handeln", hieß es in einer Aussendung der Armenischen Gemeinde am Freitag. Die Absage sei laut Gemeinde notwendig gewesen, da sich unter den vorgesehenen Vortragenden Personen befunden hätten, "die die Propaganda des autoritären aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev verbreiten" und letztlich die Existenz Armeniens infrage stellen. Sie verwendeten Begriffe wie "West-Aserbaidschan" und "Zangezur-Korridor", die Teil einer gezielten politischen Strategie seien.

Mit "West-Aserbaidschan" wird demnach die gesamte heutige Republik Armenien bezeichnet. Der sogenannte "Zangezur-Korridor" soll durch armenisches Staatsgebiet eine Verbindung der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan mit Aserbaidschan herstellen. Armenisches Staatsgebiet würde dadurch unter aserbaidschanisch-türkische Kontrolle geraten, so die Gemeinde. Hinzu komme "die Leugnung des Völkermords an den Armeniern, die Negierung armenischer Geschichte und die Delegitimierung der armenischen Identität in Artsach (Berg-Karabach) - während die Vertreibung und ethnische Säuberung von mehr als 120.000 Armeniern aus ihrer jahrtausendealten Heimat verschwiegen und die fortschreitende Zerstörung armenischer Kulturgüter systematisch ignoriert wird".

Regimenahe Organisationen und Akteure des autoritären aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev würden unter dem Deckmantel von NGOs, Wissenschaft und internationalem Dialog Hochschulen als Plattform nützen, um staatliche Propaganda zu verbreiten, so die Armenische Gemeinde. Aserbaidschan sei zudem für seine sogenannte "Kaviar-Diplomatie" bekannt, bei der einflussreiche Personen und Organisationen durch Geld, Geschenke und andere Vorteile für die Interessen des Regimes gewonnen werden sollen.

Aus besagten Gründen habe man auch im Vorfeld der geplanten Tagung den Vorschlag abgelehnt, sich auf der JKU gemeinsam mit Vertretern solcher Kreise über die armenische Geschichte und Identität rechtfertigen zu müssen, so die Armenische Gemeinde in ihrer Aussendung: "Die Leugnung des Völkermords, die Infragestellung der Republik Armenien sowie die Zerstörung armenischen Kulturerbes sind keine legitimen Gegenpositionen, die man im Namen einer vermeintlichen Ausgewogenheit auf eine akademische Bühne heben darf."

Umstrittene Veranstaltung

120 Teilnehmer hatten sich zum Kongress angemeldet. Der Titel der englischsprachigen Veranstaltung lautete: "Science Diplomacy: Austria-Balkans-Anatolia-Caucasus-Turkistan". 70 Vortragende und Diskutanten waren vorgesehen. Die Veranstaltung wurde von Rektor Stefan Koch kurzfristig vor Beginn abgesagt.

In der Stellungnahme des Rektorats, aus der die "Oberösterreichischen Nachrichten" (Freitag) zitierten, hießt es: "Die Bedenken der armenischen Gemeinde (...) hinsichtlich der Positionen mehrerer Vortragender und Mitglieder des Programmkomitees sind zum Teil mit unseren Werten - wissenschaftliche Integrität, Achtung demokratischer Grundwerte und Ablehnung jeder Form von Rassismus, Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit - nicht vereinbar." Weil eben nicht gesichert gewesen sei, dass alle Beiträge wissenschaftlich fundiert gewesen seien, habe sich die JKU zur Absage bzw. zum Rücktritt als Veranstalter entschieden. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.

Die Veranstalter sowie Referenten der JKU, die selbst vorgetragen hätten, übten heftige Kritik an der Entscheidung.
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