US-Experte warnt vor neuer Debatte um Abtreibungsrecht in USA
04.11.202614:35
USA/Deutschland/Wahl/Politik/Gesellschaft
Deutscher Theologe Dahlke: Versuch einer erneuten Liberalisierung könnte Streitigkeiten zwischen Demokraten und Kirche neu entfachen
Köln, 04.11.2026 (KAP/KNA) Der katholische Theologe Benjamin Dahlke hat nach den US-Zwischenwahlen vom Dienstag vor einer neuen Debatte um das Abtreibungsrecht in den USA gewarnt. Wenn die Demokratische Partei eine erneute landesweite Liberalisierung anstrebe, könnte das die zuletzt abgeschwächten "Culture Wars" neu beleben, schrieb der USA-Experte und Dogmatikprofessor an der deutschen Universität Mainz laut Nachrichtenagentur KNA in einem am Mittwoch im Kölner Internetportal "domradio.de" veröffentlichten Gastbeitrag.
Dahlke präzisierte: "Neue Konflikte mit der katholischen Kirche, die den Lebensschutz als ein zentrales Anliegen begreift, wären nämlich die Folge. Dabei wäre es so wichtig, bestehende Polarisierungen abzubauen, anstatt sie zu verstärken."
Beide Parteien sieht Dahlke nach den Wahlen vor der Herausforderung, ihre Positionen klären zu müssen. Bei den Demokraten habe es bisher fast gereicht, "auf die Fehler der Regierung zu verweisen", so der Theologe. Jetzt gelte es, konkret zu werden, ergänzte er.
MAGA-Bewegung in Turbulenzen
Auch die Republikanische Partei sieht der Theologe in der Pflicht: Angesichts verlorener Wahlen in Kansas und Texas zeige sich, wie Präsident Donald Trump ihr geschadet habe. So erwartet Dahlke auch hier eine Richtungsdebatte. "Offenkundig ist Trumps Kurs gescheitert. Seine ohnehin nur lose zusammengehaltene MAGA-Bewegung wird deshalb in Turbulenzen geraten", prophezeit der USA-Kenner.
Dahlke sieht die US-Demokratie als Gewinnerin der Zwischenwahlen. "Trotz mancher Herausforderungen besitzt das politische System der USA Stabilität", betonte der Experte. Die wechselseitige Kontrolle der Gewalten funktioniere: "Von einem autoritären Staatsumbau kann keine Rede sein." Für die kommenden zwei Jahre hofft Dahlke im Interesse des Gemeinwohls auf eine konstruktive Zusammenarbeit von Kongress und Präsident.
Die "blaue Welle" der Gewinne der Demokratischen Partei bei den Midterms war laut Dahlke erwartbar. Schließlich habe Präsident Trump den Wählern empfohlen, so zu tun, als stünde sein Name auf den Stimmzetteln: "Damit machte er die Zwischenwahlen zu einer Abstimmung über sich selbst und seine Politik. Angesichts historisch schlechter Beliebtheitswerte war das ein gravierender Fehler", bilanzierte Dahlke.